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Ein Desaster ist besser als Gleichgültigkeit.
Die willkürliche Zerstörung des Wandreliefs von Gottfried Honegger in der Station
Stettbach wirft weiterhin Fragen auf, wie in Zukunft mit dem Kunstwerk und dem
desolaten Zustand des Bahnhofs umzugehen ist. In Betracht des rasanten Wachs
tums der Agglomeration um Dübendorf wird dem Bahnhof Stettbach weitere
Bedeutung zukommen – bereits heute zeichnet sich ab, dass die Kapazitäten erschöpft sind, und trotz hohen Publikumsverkehrs nimmt die Vernachlässigung des
Bahnhofs zu.
Das 2 × 250 m lange und 4 m hohe Wandrelief von Gottfried Honegger stammt
aus den Jahren 1989–1990, als bereits umfassende Planungen für die Erweiterung
der S-Bahn Zürich im Gange waren. Es zeigt eine geometrische Farbentwicklung
auf insgesamt 46 «Pfeilen», die jeweils aus 20 emaillierten Metallplatten zusammengesetzt sind. Das Relief nimmt formal die ab 1990 eingesetzten Doppelstockwagen
auf undsoll bei der Durchfahrt eines Zuges einen dichten regenbogenartigen Effekt
erzeugen. Die auf den ersten Blick unklare Farbfolge ist keineswegs willkürlich, sondern aus der Fahrtrichtung der Bahn von der Stadt zum Land und umgekehrt entwickelt.
Auf der Strecke in Richtung Glatttal dominieren Gelb- und Grüntöne, auf der
gegenüberliegenden Seite Blau- und Rottöne. Die leichten Farbabstufungen sind
ausschliesslich als Nuancen ausgebildet und lassen je nach Lichteinfall durch die
Öffnungen an den Treppenaufgängen unterschiedliche Variationen ein und derselben Farbe zu. Wie in John Cages stillem Musikstück
4′33″, bei welchem trotz präziser, zeitlich getakteter Partitur kein einziger Ton gespielt wird, hat auch das Wandrelief
einen Kompositionsprozess durchlaufen, erklingt jedoch nur durch zufällige
«Töne» aus der Umgebung, die beim Betrachter eine individuelle Vorstellung der
«musikalischen Stille» der Farbfolge hervorrufen.